Die Pyramide zeigt, etwas aus Distanz zu betrachten, bringt wieder Nähe zum Eigentlichen.

Diese Installation erleben und sich in seiner bunten Vielfalt begreifen.


3360 Kreise installiert in einer gigantischen Pyramide. Diese bunten Moleküle zeigen tagebuchartig das Innere der Künstlerin. Alle Kreise zusammen aus Distanz betrachtet, zeigen das Geburt und Tod eins sind. Mit diesem Verständnis lebt es sich viel intensiver.

Erspüren und erleben Sie ein 10jähriges offen gelegtes Tagebuch

Dieses künstlerisches Projekt wurde 2008 in Berlin gestartet und wird nun 2019 in Lübeck finalisiert.

Die Pyramide ist der Aussenbau, der das Innere trägt. Als Besucher und Betrachter können Sie in die 4,5 x 4,5 x 4,5 Meter hohe quadratische Pyramide eintauchen und ein gigantisches Mossaik bestehend aus 3360 Gipskreisen je mit einem Durchmesser von 7,5cm sehen. Erspüren und erleben Sie ein 10jähriges offen gelegtes Tagebuch.   

Wie kam es zu meiner künstlerischen Arbeit die Pyramide?

Ich war gerade mit meinem ersten Ehemann aus Barcelona nach Berlin zurückgekehrt. Unsere Wege passten nicht mehr zusammen und ich trennte mich. In diesem Abschiedsschmerz kam ein tief sitzender Schmerz wieder hoch. Der Verlust meiner Mutter, die an Brustkrebs starb, als ich sechs Jahre alt war. Meine ersten sechs Lebensjahre waren geprägt von ihrer Krankheit. Im Nachhinein fühlte sich ihre Krankheit, die damals in den meisten Fällen tödlich war, wie ein Countdown an, der zu ihrem Tod führte. Ich fühlte, als wäre ich fast mit ihr im Jenseits.

Sie täglich leiden zu sehen und diesem ohnmächtig gegenüber zu stehen, war unerträglich. Als sie dann nach ihrem Prozess des Leidens starb, wollte niemand aus meiner Familie je wieder so einen Verlust spüren. Innerhalb eines halben Jahres nach ihrem Tod zog eine Frau ein, die das Haus neu einrichtete und alle Spuren meiner Mutter beseitigte. Über meine Mutter wurde nie wieder geredet. Es gab keinen Raum zu trauern und keine Besuche am Grab. 

In der Anerkennung meines Schmerzes über den Verlust meiner Mutter, fühlte ich, als hätte ich keine Arme und Beine mehr. Ich war auf mich zurück geworfen.

In dieser Zeit tauchte vor meinem geistigem Auge die Vision einer Pyramide auf. 

Diese Form der Pyramide ist für mich mit meiner Mutter verbunden. Als sie bereits um ihre tödliche Krankheit wusste, entschied sie sich für einen Hauskauf. Mit meinem Großvater der Architekt war, wurde dann ein Anbau geplant. Dieser hatte eine pyramidale Dachkonstruktion.

In meiner Trauerphase in Berlin entdeckte ich zeitgleich auf dem Flohmarkt eine Kiste mit kreisrunden weißen Fliesen, die ich zu bemalen begann. Die Kiste war sehr schnell leer und die wenigen Fliesen bemalt. Mir war klar, dass diese Fliesen in die Pyramide gehören und ich irgendwie weitere Fliesen in dieser Art finden wollte. Doch ich fand nichts vergleichbares und landete in einer Berliner Gipsgießerei. Dort fing ich an, mir eine Gießform zu erstellen und goss mir diese Fliesen aus Gips. Ich entdeckte schnell, dass genau dieser Prozess des täglichen Gießens mir gut tat, um die Trauer des Verlustes meiner Mutter zu überwinden. Die Kreise gaben mir die Kraft an die Geburt in dem Ganzen zu glauben. Ja, dass die Trauer und die Wut ein Moment sind, dass diese Gefühle ihren Raum haben dürfen und dass daraus etwas Neues entstehen kann. 

Zeitgleich arbeitete ich auf dem jüdischen Friedhof Weißensee, wo ich durch die zweiwöchige Arbeit meine Grabbesuche nachholen konnte, die ich gerne als Kind mit meinem Vater gemacht hätte. Ich legte immer ein paar Steine nach jüdischer Tradition auf die verschiedenen Grabsteine. Das tat mir gut, denn ich gewann das Gefühl zurück, ja ich bin da gewesen, Mama.

Einmal stieg ich in ein ausgehobenes Grab. Als ich die Leiter wieder hinauf ging spürte ich, dass ich wieder ins Leben trete und es bejahen werde.

Indem ich weiter an dem Innenleben der Pyramide arbeitete, offenbarte sich mir ein größeres Verständnis für das Leben. Ich begriff, wie jeder geschlossene Kreis, Leben bedeutet. Unser ganzer Körper besteht aus runden Zellen, wo jede Zelle ihre Funktion erfüllt und trotzdem sind sie alle miteinander verbunden. Das Mosaik der Pyramide zeigt, wie bunt es in uns ist und das alles da sein darf, dadurch veränderte sich nach und nach mein Schwarz/Weiß Denken in ein prozessorientiertes. Mit dieser Pyramide und diese auszustellen, zeige ich mein Inneres im Außen. Ich habe nichts mehr zu verstecken, da ich alles, was ich als Kind nicht fühlen durfte, nun als Erwachsener gefühlt habe. Diese Aufarbeitung war dringend notwendig, damit ich ein schöneres und intensiveres Leben führen kann, welches nicht mehr von meiner Verlustangst gesteuert und durchdrungen ist.

Das ist wahre Befreiung für mich gewesen. Die Arbeit mit den Fliesen führte ich über zehn Jahre lang weiter und weiter. Faszinierender Weise hat diese Arbeit etwas sehr transformatives für mich. Ich habe damit den Schatten ihres Todes, der auf mir lag zu einer Geburt ähnlichen Kraft werden lassen und werde nun selbst von dieser Arbeit mit Leben beschenkt. In Berlin traf ich auf eine Galeristin, die mich nach Lübeck einlud, um ein Teil der Kreise auszustellen. Dort traf ich meinen zukünftigen Ehemann und wir erschufen neues Leben, drei wunderbare Töchter kamen innerhalb von fünf Jahren zur Welt. Auch diese Geburten tauchen in diesem Mosaik künstlerisch auf. Auch spüre ich bereits, dass mit meiner Fertigstellung und Ausstellung der Pyramide, etwas Neues beginnt und die transformative Kraft für andere erlebbar wird.



Jimdo

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